Zahlreiche Legenden ranken sich um ihn. Unzählige Darstellungen gibt es von ihm. Nichts Genaues weiß man über ihn – oder doch?
Fest steht: seine Verehrung setzte unmittelbar nach seinem Martyrium ein. Seit alters her ist sein Todestag am 20. Januar (im Jahre 288) sein jährlicher Gedenktag. Seinen Leichnam brachte man in die Via Appia und setzte ihn dort in einer Katakombe bei, die seitdem seinen Namen trägt: San Sebastiano. Die Rede ist vom heiligen Sebastian!
Sebastian – Offizier der kaiserlichen Garde warst du und hast durch dein Bekenntnis zum Christentum immer wieder Schwierigkeiten mit deinem Dienstgeber gehabt. Kein Wunder! Für die Herrschen den war eure Idee von einer „klassenlosen“ Gesellschaft staatszersetzend, euer Reden von der gleichen Würde aller Menschen brandgefährlich und eure Verweigerung, den Kaiser als Gott zu verehren, blasphemisch.
Du hast dich nicht einschüchtern lassen. Bist dir und deinem Glauben treu geblieben. Einmal – so erzählt die Legende – hast du erwachsene Zwillinge im Gefängnis aufgesucht. Die Eltern der Zwillingsbrüder waren ebenfalls da und versuchten ihre Söhne vom christlichen Bekenntnis abzubringen. Ihretwillen sollten es wenigstens nur so tun, als ob.... Da schrittest du ein und sprachst so flammend, dass die stummgewordene Frau des Gefängniswärters ihre Sprache wiedererlangte und sich taufen ließ. Und auch die Eltern der Zwillinge ließen sich von dir überzeugen, konnten getröstet ihre Söhne loslassen und wurden Christen. Du sprachst damals von der Würde des Menschen, die ihm kein Henker nehmen kann; von Werten, die über den Tod hinaus gelten; von einer Freiheit, die Schranken und Mauern zerreißen kann und von einer Überzeugung, die jeder Todesdrohung trotzt.
Kann es sein, dass sich in alldem, was über dich legendenhaft überliefert ist, eine „innere Wahrheit“ zeigt, die durch die Zeit hindurch gültig bleibt? Oder „ticken“ wir Menschen und Christen heute ganz anders?
Schließlich wurdest du gefangen genommen und zum Tod verurteilt. Man hat dich an einen Baum gezurrt und mit Pfeilen beschossen. Als eine junge Witwe namens Irene deinen Leichnam bestatten wollte, bemerkte sie, dass du nicht totzukriegen warst. Ihre Pflege brachte dich ins Leben zurück. Wiederum führte dich dein Weg ins Zentrum der Macht, um noch nach drücklicher den Glauben zu leben. Die Palastgarde Diokletians hat dich schließlich ergriffen, mit Stockschlägen ein zweites Mal gefoltert und endgültig getötet. Wenn das Blut der Märtyrer der Samen für neue Christen ist (Tertullian) – dann war deine Treue zu Jesus Christus und dein Sterben sicher nicht vergebens.
Zahlreiche Berufsstände – vor allem Soldaten und Polizisten – verehren den hl. Sebastian als ihren Patron. Viele Schützenbruderschaften haben ihn als Schutzpatron erwählt – auch die Brachtendorfer Schützenbruderschaft. Seit 2023 gibt es in der dortigen Lambertus Kapelle eine Figur des Heiligen.
Dekan Michael Wilhelm, Präses
Statue in der Kapelle Brachtendorf